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Karate Europameisterschaft der Regionen

 

Leipzig 2005

 

Leipzig, eine Stadt im Wandel zwischen alt und moderne. Wobei das Alte Leipzig auf seine Art ebenso schön ist, wie das moderne.
Richtig schön wird eine Stadt aber erst durch die Freundlichkeit ihrer Bewohner. Und wenn die, deren Freundlichkeit ich kennen lernen durfte, typisch sind für Leipzig, dann ist Leipzig eine der schönsten Städte Deutschlands. Und selten habe ich von den angereisten Teilnehmen, Funktionären und Unternehmern einer Karate Meisterschaft soviel Lob über die ausrichtende Stadt gehört.

Kein Wunder also, dass am Samstag in der Arena Leipzig eine freundlich angenehme und familiäre Stimmung herrschte.

 

Hektik? Habe ich keine gesehen. Streß? Höchstens in der Küche des Bistros beim Anfertigen des leckeren Nachschubs. Angenehm ruhig war es in der Halle, als um 08:20 Uhr die ersten Teams gut gelaunt im Aufwärmbereich erschienen. Ebenso ruhig erfolgte deren Einteilung auf die insgesamt 6 Tatamis. Etwas zu ruhig blieb es dann aber auf den Tribünen. Nicht wirklich viele Zuschauer hatten den Weg zu den Vorkämpfen gefunden. Jedoch war da noch eine Fan-Gruppe aus Thüringen die sich, mit einer schweren Trommel bewaffnet, lautstark zu Wort meldeten.

 
 

Kata Team Herren

     
23 Teams, 18 davon aus der Stilrichtung Shotokan und 5 Teams vom Shito-Ryu. Mit 6 Teams war Deutschland am stärksten vertreten, gefolgt von 4 spanischen und 3 Italienischen Teams.
Überraschend stark präsentierte sich das Team aus Tschechien, das sich in Runde 3 gegen das spanische Team aus Cataluna durchsetzte und über den Poolsieg ins Finale einzog. Das stärkste deutsche Team kam aus Rheinland Pfalz, erst das spanische Team aus Asturias konnte die Rheinländer mit 2:1 Richterstimmen stoppen. Im Kampf um das Poolfinale stand dann Asturias gegen Madrid. Das Team aus Madrid hatte zuvor mit Seienchin Italien, mit Seipai Baden Würtemberg und mit Suparimpei das Team aus Serbien besiegt.  Und da sie sich auch gegen Asturias durchsetzten, blieb den Rheinländern die Trostrunde und der mögliche dritte Platz verwehrt.  Das Team aus Baden Würtemberg kam zwar in besagte Trostrunde, aber dort war in Runde 1, mit dem Team aus Sizilien, der Gegner einen Tick stärker.
 

Die Spanier mit Suparimpei

   

 

Das Team aus Madrid (Spanien) mit Chatanyara Kushanku

Im Finale standen somit die Teams aus Prag/Tschechien und Madrid/ Spanien. Madrid zeigte mit Chatanyara Kushanku einen einen guten, aber nicht ganz so starken und explosiven Vortrag wie in den Vorkämpfen.  Ihr anschließendes Bunkai  allerdings war ausgefeilt, spektakulär und explosiv.

Gespickt mit harten Wurftechniken und einem gesprungenen Ushiro-Geri. Die Tschechen zeigten eine solide Sochin mit einem ebenso soliden Bunkai. Ein guter Vortrag, der das Team aus Madrid aber nicht gefährden konnte.

Die Sochin der Tschechen

Das Bunkai der Spanier

und das von Prag (Tschechei)

 
 
     

1. Platz

Madrid (Spanien)

     

2. Platz

Prag (Tscheschei)

3. Platz

SCG Vojvodina Asturias (Spanien)

 

 

 

Kata Team Damen
     
16 Teams, 8  Shotokan und 8 Shito-Ryu.  Am stärksten present war Italien mit 4 Teams, gefolgt von Deutschland, England und Türkei mit jeweils 2 Teams. Spanien war nur mit einem Team aus Madrid vertreten. Allerdings ein sehr starkes Team.
Mit den Kata Seienchin, Seipai und Chatanyara Kushanku setzten sich die Spanierinnen gegen Italien, Deutschland (Thüringen) und Österreich durch. Im zweiten Pool gelang dies dem Shotokan Team aus Serbien (Podgoriga) gegen die Tschechei, Türkei und das deutsche Team aus Bayern. Beide deutsche Teams waren somit in den Trostrunden. Hier gelang Österreich mit Unsu der Sieg gegen Thüringen (Unsu). Und das Team Tschechei South Moravia setzte sich mit der Kata Paiku gegen das Bayerische Team (Kanku Sho) durch.
 
   

Tschechei South Moravia (Paiku)

Das Team aus Madrid (Spanien) mit Anan

Im Finale machte diesmal Spanien den Anfang mit einer dynamischen und doch sehr eleganten Anan. Und auch das Bunkai war geprägt von dynamisch, explosiven Aktionen mit teilweise auch sehr ernsten und wirklichkeitsnahen Techniken, wie einem Otoshi Empi zur Wirbelsäule.

Das Team SCG Podgoriga zeigte mit Enpi eine gute, saubere Leist-ung, der es vielleicht etwas an Spritzigkeit fehlte. Ihr Bunkai wahr sehenswert, erreichte aber nicht das Niveau der Spanierinnen die auch  das Finale für sich entschieden.

Die Enpi von SCG Podgoria

Das Bunkai der Spanierinnen

und das von SCG Podgoria

 
 
     

1. Platz

Madrid (Spanien)

     

2. Platz

SCG Podgoria

3. Platz

Österreich Tschechien South Moravia

 

 

In beiden Kata Finalen standen sich, und dies ist eben der Nebeneffekt des Flaggensystems, leider nicht die besten Teams gegenüber. So war manches Drittplatzierte Team durchaus stärker als die späteren Zweitplatzierten. Dies ist leider eine Eigenheit des Flaggensystems, die sich nicht vermeiden läßt. Und es wäre vielleicht Zeit darüber nachzudenken, ob hier wirklich das beste Ausscheidungssystem gewählt wurde. Im Zuge der WM 2000 hatte ich in München die Gelegenheit mit Teruo Hayashi zu Abend zu essen. Von ihm wurde ich damals über die Änderung hin zum Flaggensystem informiert und war damals von dem neuen System auch überzeugt. Mittlerweile haben die tatsächlichen Ergebnisse bei den Turnieren jedoch gezeigt, dass es beinahe unmöglich ist das mit diesem Flaggensystem auch wirklich die 4 besten Teams um die Podestplätze kämpfen.

 

 

 

Kumite Team Herren
 

Mit insgesamt 35 Teams war die Kumite Veranstaltung der Herren, das bedeutendste Ereignis dieser Meisterschaften. Allein Deutschland war mit 8 Teams vertreten. Und Spanien, Italien, Türkei, sowie England mit jeweils 3 Teams.

Entsprechend viele, teils hochkarätige Kämpfe hielten das Publikum, allen voran die Fan-Gemeinde aus Thürigen, auf Trab. Dabei kam erstaunlich gut die unterschiedliche Mentalität der Kämpfer zum Ausdruck. Der bedingungslose Kampfgeist der Türken, die kompromißlose Härte der Russen, die Agilität der Italienier, die Konzentriertheit der Deutschen oder der Durchsetzungswille der Engländer. Jedes Team (Land) hatte in dieser Hinsicht einen eigenen Charakter.

 

Nicht nur durch die Anzahl der Teams, sondern auch durch die Anzahl der Kämpfer, im Best of Five Modus waren die Vorkämpfe der Kategorie Kumite Herren, der mit Abstand längste Part der EM. Aber auch gespickt mit sehr vielen spannenden Kämpfen und knappen Entscheidungen. Schade war jedoch, dass sich schon in der ersten Runde der Vorkämpfe gleich mehrfach rein deutsche Teams gegenüberstanden.

Im rein türkischen Finale sah man eine besondere Art von Sportsgeist, als die Teams vor Beginn der Kämpfe gleich einer Football Manschaft die Köpfe zusammensteckten und sich gemeinsam auf den Kampf einstimmten. Wer nun dachte, dass dies ein Freundschaftskampf würde sah sich getäuscht. Trotz der zuvor bekundeten Bruderliebe ging es richtig zur Sache.

 

Hart, Energisch und doch fair. Und nachdem das Team aus Ege 2:0 in Führung gegangen war, und es im dritten Kampf 7:0 für Ege stand wurde es doch noch einmal richtig spannend.

Als der Kämpfer aus Icanadul für einen blitzsauberen Mawashi Geri zum Kopf Sanbon bekam und nur 5 Sekunden später mit einem identischen Tritt, der auch noch eine Spur härter traf, auf 7:6 aufholte. Ein letzter tsuki zum 8:6 und die ablaufende Kampfzeit waren jedoch gegen das Team aus Icanadul.  In jedem Fall war das Finale kämpferisch wie emotional eine würdige und spannende Veranstaltung.

 
 
     

1. Platz

Ege (Türkei)

     

2. Platz

Icanadul (Türkei)

3. Platz

Attika (Griechenland) Marmara (Türkei)

 

 

 

Kumite Team Damen
 
 

Im Kumite der Damen waren nicht nur schnelle, sondern durchaus auch harte Kämpfe zu beobachten. Besonders die Teams aus Russland und Serbien waren der Meinung, dass Kumite nichts mit stricken zu tun hat. Aber auch die anderen Teams hatten Wolle und Nadeln zu Hause gelassen. Dabei jedoch Fairneß und Kontrolle nicht vergessen und so gabe es nur wenig Arbeit für das Ärzteteam. Abgesehen von einer Rippenfraktur, wobei ich nicht weiß, ob bei Damen oder Herren, war das Team um Eileen Wanke sehr zufrieden.

 

Im Finale waren sehr saubere und schöne Kämpfe zu sehen. Teilweise vielleicht etwas zu vorsichtig seitens der Serbinnen.  So dass, das Team aus Bosnien Herzegowina in Führung ging und sich den Sieg auch nicht mehr nehmen ließ.

 
 
     

1. Platz

Tuzla

     

2. Platz

SCG Serbien

(Bosnien Herzegowina)

       

3. Platz

Bern (Schweiz) South (Russland)

c) Herbert Haß 2005

 
Kata Statistik Herren Kata Statistik Damen
  Kata Stil verwendet erfolgreich     Kata Stil verwendet erfolgreich
  Jion Shotokan 14 5     Jion Shotokan 7 5
  Kanku Dai Shotokan 10 3     Kanku Dai Shotokan 2 2
  Seipai Shito-Ryu 6 2     Seipai Shito-Ryu 3 0
  Seienchin Shito-Ryu 2 2     Seienchin Shito-Ryu 2 2
  Bassai Dai Shito-Ryu 1 0     Bassai Dai Shito-Ryu 3 0
                 
  Empi Shotokan 5 4     Enpi Shotokan 2 0
  Kanku Sho Shotokan 1 0     Kanku Sho Shotokan 1 0
  Unsu Shotokan 3 2     Unsu Shotokan 3 1
  Gankaku Shotokan 1 0     Nijushiho Shotokan 1 0
  Gojushiho Sho Shotokan 4 1     Gojushiho Sho Shotokan 3 2
  Sochin Shotokan 1 0     Gojushiho Dai Shotokan 3 2
  Superimpei Shito-Ryu 1 1     Unshu Shito-Ryu 1 0
  Nipaipo Shito-Ryu 1 0     Heiku Shito-Ryu 1 1
  Chatanyara Kushanku Shito-Ryu 1 1     Paiku Shito-Ryu 1 1
            Chatanyara Kushanku  Shito-Ryu 2 1
            Anan Shito-Ryu 1 1