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German Open 2006

Hanau

Erstmal muß man dem Deutschen Karate Verband zur Wahl der Halle gratulieren. Diese bot nicht nur Platz für 5 Tatamis, sondern auch mehr als genug Raum für die Athleten um sich aufzuwärmen. Und auch die Zuschauer fanden genügend Sitzplätze mit gutem Blick zum Wettkampfgeschehen. Und dieses entwickelte sich zu einer wahren Großveranstaltung. Speziell im Bereich Kata waren derart viele Athleten bis hin zu Kanada, Venezuela und Vietnam angereist, dass die Vorrunden erst weit nach 14:00 beendet waren. Besonders das Kata Einzel der Damen war mit vielen Athletinnen von hohem Niveau besetzt. Besonders hier zeigte sich auch eine hohe Dominanz der Kata aus den Stilrichtungen Shito-Ryu und Goju-Ryu. Außerdem zeigte sich dass Vertreter des Goju-Ryu sich zunehmen am Kata Inventar des Shito-Ryu bedienen. Was in diesem Fall auch nicht zu schwer fällt, da es  bei Goju-Ryu  eine weit  größere  Verwandschaft in

 

der Art des Karate zum Shito-Ryu gibt, als bei allen anderen Stilrichtungen. Womit in diesen Fällen auch die technische Reinheit des Kihon der jeweils anderen Stilrichtung weitgehend gewahrt blieb. Noch ausgeprägter als in den vergangenen Jahren ist hingegen die Interpretation der Kata. So wird ein und dieselbe Kata mitunter sehr unterschiedlich ausgeführt. So war von der Kanadierin Kerstin Larouche eine sehr interessante Variation der Kata Heiku zu sehen. Wobei die Änderungen weniger die Technik betrafen, als vielmehr den Rhythmus und das Timing der technischen Kombinationen. Und solange die traditionellen Inhalte der Kata hierdurch nicht beeinträchtigt werden sind diese Entwicklungen der Kata als Wettkampfform durchaus zu begrüßen.

 

Kata Einzel weiblich

Etwas kritisch kann man die Niederlage der Tscheschin Petra Nova gegen die Vietnamesin   Hoang Ngan Ngyuen sehen. Beide zeigten Chatanyara Kushanku.   Beide gleichermaßen  dyna-

misch und  Ausdrucksstark,  jedoch lagen die Vorteile bei Kihon und Beinarbeit eindeutig bei Petra Nova. Dennoch gewann die Vietnamesin 4:1 und sinnigerweise stammt die Kampfrichterin, die nicht zu Unrecht für Petra Nova stimmte, aus dem Wado-Ryu. Weniger strittig, aber ebenso schwierig zu entscheiden war dann die Finalbegegnung zwischen Hoang Ngan und der Kroation Mirna Senjug. Senjug legte mit einer sehr harten und kraftvollen Version der Shito-Ryu Unsu vor. Besonders ihre Ushiro-Geris waren dabei hart wie Hammerschläge. Hoang Ngan hingegen wählte die, aus dem Ryuei-Ryu, stammende Kata Heiku (Schwarzer Tiger). Die Kata ist gespickt mit sehr schnellen Kombinationen und dynamischer Beinarbeit. Dabei ist sie zudem vielseitig und Ausdrucksstark, jedoch fehlt das ein oder andere spektakuläre  Element. Weshalb  sie in eher

selten ion Finalen gezeigt wird. Die Vietnamesin kompensierte dies jedoch mit sehr hoher Ausdruckskraft und Selbstbewußtsein. So wartete sie nach der Verbeugung extrem lange, bevor sie mit der Kata begann. Und dieses Selbstbewußtsein könnte letztlich den Ausschlag dafür gegeben haben, dass sie sich gegen Mirna Senjug durchsetzen konnte.

 

Kata Team weiblich

Souverän und mit starkem Einsatz überstand das Deutsche Nationalteam die Vorrunden. Weniger gut ging es den weiteren Deutschen Teams aus Baden-Württemberg und Rheinland Pfalz. Dabei verloren die Baden-Württembergerinnen gegen ein Team aus Kroatien. Und das auf dem Tatami, auf dem es die meisten diskutierbaren Entscheidungen, unter anderem auch die von Petra Nova gegen Hoang Ngan, gegeben hatte. Das benachbarte Tatami war in dieser Hinsicht weniger auffällig. Nur unerwartet war, dass sich das Team aus Österreich gegen das 2. italienische Teams durchsetzen konnte.  So hieß das Finale Deutschland gegen Österreich. Und da hatte man schon ein wenig den Eindruck, dass die Österreicherinnen nicht wirklich mit dem Erreichen des Finale

gerechnet hatten. Die Interpretation des Bunkai der Bassai Sho war zwar interessant, war aber nicht ganz austrainiert, was zu dem ein oder anderen Timingfehler führte. Wesentlich umfangreicher muß das die Vorbereitung des Deutschen Teams gewesen sein. Sie starteten, gemäß der Regel der Golden League, mit einer eigens entwickelten Kata unter Musikbegleitung. Ähnlich wie bei den Italienern war dabei die Kata eine Zusammenfassung von Sequenzen aus verschiedenen anderen traditionellen Kata. Hart, ernsthaft und kämpferisch war dann das Bunkai, das auch  spektakuläre Aktionen bot und das Publikum zu begeistern wußte.

Das Bunkai des Deutschen Teams

 

Das Österreichische Team mit Bassai Sho

 

Kata Einzel männlich

Wie bei den Damen war auch bei den Herren die Aufteilung der 82 Starter auf insgesamt 8 Pools notwendig. Und selbst als Pool- sieger war man noch ein Stück weit vom Finale und selbst von einer möglichen Trostrunde und dem Kampf um Platz 3 entfernt. Wenig Angst mußte man da allerdings um die Italiener haben. Derzeit scheint gegen die Italiener Valdesi und Maurino kein Kraut gewachsen zu sein. Mit hoher Präzision, Schnelligkeit und starker Technik präsentieren sie ihre Kata. Aber auch die Taktik fehlt nicht, so daß ihre stärksten Kata auch beim stärksten Gegner zum Einsatz kommen. Sehr stark auch Antonio Diaz, der sich mit Nipaipo gegen Timo Gißler's Unsu durchsetzte. Dabei ist Nipaipo eine sehr hohe, aber auch teilweise sehr filigrane Kata, die bei den

Herren eher selten zum Einsatz kommt. Im Viertelfinale der Poolsieger setzte er sich gegen den starken Schweizer Gewinner des Krokoyama Cup Anik Gereon durch.  Und erst Luca Valdesi gelang es Antonio Diaz in die Trostrunde zu schicken. Der Kroate Kristian Novak steht für ein exemplarisch hartes und kraftvolles Shotokan.  Mit insgesamt 12 Athleten war das Ägyptische Team am Start und zwei von ihnen durften hautnah erleben wie dynamisch die Kata von Novak sind. Das Nachsehen hatte da auch der Italiener Luca Brancaleon, der auch Mitglied des italienischen Kata Teams ist. Und nur Lucio Maurino gelang es sich mit Unsu gegen die Gojushiho Sho von Novak durchzusetzen. Somit war das Finale eine rein italienische Angelegenheit. Sowohl Valdesi als auch Maurino zeigten mit Gankaku den wohl härtesten Prüfstein für den Gleichgewichtssinn. Und boten den Zuschauern damit auch die Möglichkeit des direkten Vergleichs. Und obwohl Maurino bei den Yoko Geris die präzisere Haltung, speziell beim Hikite, zeigte, so war Valdesi insgesamt doch die höhere Brillianz in seiner Technik, was auch die Kampfrichter entsprechend honorierten.

 

Kata Team männlich

Das italienische Kata Team ist  zur Zeit wohl, zumindest in Europa das stärkste und vielseitigste Team.   Und da die  Spanier nicht angereist  waren,  war mit einer ernst-

haften Konkurrenz für die Italiener nicht zu rechnen. Dennoch setzten die Italiener nicht in allen Punkten des Karate die Maßstäbe, denn das wohl kraftvollste Karate war im Team von Kroatien zu finden. Auffallend war hier, dass sie die Techniken relativ langsam beginnen, jedoch mit umso höherer Geschwindigkeit und Dynamik zum Ende bringen. Verdient standen sie dann auch mit den Italienern im Finale. Die Italiener be- gannen mit ihrer eigenen Kreation und extra dazu angepaßter Musik. Einzig die Ura- Mawashi Geris waren dabei keiner tradi- tionellen  Kata  entlehnt.  Das  anschließende

Bunkai war schnell, aktionsgeladen und von hohem Kampfgeist. Mit vielen spektakulären Tritten, gesprungenen Techniken und harten Würfen sorgten sie beim Publikum für Begeisterung. Scheinbar unbeeindruckt davon gingen die Kroaten ans Werk. Sie boten

einen traditionellen Vortrag der Kata Unsu ohne Musikuntermalung. Was aber nicht wirklich vermißt wurde, denn die kraftvollen Techniken des Teams waren selbst geräuschvoll genug. Und das Bunkai brauchte sich hinter dem der Italiener keineswegs Verstecken. Nicht unbedingt eine Karatetechnik je- doch besonders spektakulär war dabei ein  sehr hoher  Rückwärtssalto und ein

gesprungener Ushiro Geri. Ein wirkliches gekonnter Vortrag und ein würdiger Gegenpart zur Leistung der Italiener.
 
 

Ergebnislisten

Kata weiblich Kata männlich

Platz

Name Land

1

Hoang Ngan Ngyuen Vietnam
2 Mirna Senjug Kroatien
3 Yohana Sanchez Venezuela
3 Sara Battaglia Italien

Platz

Name Land

1

Luca Valdesi Italien
2 Lucio Maurino Italien
3 Antonio Diaz Venezuela
3 Kristian Novak Kroatien
   
Kata Team Kata Team

Platz

Name Land

1

German Karate Federation Deutschland
2 Austria Karate Federation Österreich
3 Italien Italien
3 Kroatien Kroatien

Platz

Name Land

1

Fijikam Italien Italien
2 KC Croatia Kroatien
3 HFK Germany Deutschland
3 Austria Karate Federation Österreich