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Austrian Open 2006

Salzburg

Eine Premiere in der Reihe der Golden League Turniere waren die Austrian Open 2006. In der wirklich sehr schönen Walserfeldhalle hatte der Österreichische Karateverband nicht nur eine gute Wahl getroffen. Auch die organisatorische Leistung darf hier gelobt werden und man war auch wirklich bemüht für die Athleten, Trainer und Medien da zu sein. Pünktlich begann auch die Eröffnungs- zeremonie, nur der Beginn der Wettkämpfe verzögerte dann. Allerdings war der Grund lobenswert, denn die Wettkampfleitung entschied sich noch auf Athleten aus der Tscheschei, Slovakei und Slowenien, die noch nicht eingetroffen waren, zu warten. Ein entgegenkommen, das man auch nicht jeden Tag sieht. Und in jedem Fall eine Geste die zeigt,  dass man in  erster Linie

 

für die Athleten da sein will. Die waren auch recht zahlreich nach Salzburg gekommen. Darunter auch das Iranische Team und eine Delegation aus Australien. Obwohl die Wettkämpfe verspätet begannen, ging es dann doch recht zügig voran. Und dabei gab es einige interessante Vorrundenbegegnungen zu sehen. Besonders interessant dabei die Entscheidung zwischen dem Kroaten Kristian Novak und dem Iraner Salimi Mohsen. Der Iraner, aus dem Goju-Ryu kommend, warf mit Suparimpei dann auch gleich seine stärkste Waffe ins Rennen. Und konnte damit 3 der 5 Kampfrichter überzeugen. Ob der Italiener Lucio Maurino davon beeindruckt war weiß ich nicht. Auffallend war jedoch, das er mit Gankaku seine Finalkata von den German Open ins Rennen warf. Und da hätte der Iraner schon eine zweite Suparimpei gebraucht. Nun gibt es die nicht und so zeigte er Kururunfa, diese aber leider auch mit einem kaum sichtbaren Wackler beim Tate Empi in Shiko Dachi. So kam Maurino weiter und man durfte schon gespannt sein, was er sich für das Finale gegen Luca Valdesi wohl aufgehoben hatte.

Bei den Damen hatte Mirna Senjug keine wirklich ernsthafte Konkurrentin. Zwar gibt es einige gute Athletinnen, die aber noch nicht über die Kraft, Dynamik und Erfahrung von Mirna Senug verfügen. Sehr kontrastreich war hingegen die Begegnung zwischen Sabine Schneider und der Österreicherin Joan-Marie Stadler, die amtierende Goju-Ryu World Cup Siegerin. Hier hatten die Kampfrichter zwischen der Schnelligkeit, Aggressivität und Kraft von Sabine Schneider und der Eleganz, Ausdruckskraft und Präzision von Güngör zu entscheiden, was dann auch zugunsten von Sabine Schneider ausfiel.

 

Kata Einzel weiblich

Sabine Schneider gegen Mirna Senjug hieß das Finale. Die Kroatien zeigte mit  Chatanyara Kushanku die Urform der Kanku Dai. Wobei die Kushanku allerdings um einiges länger, und spektakulärer ist.  Und Mirna

enjug zeigte sie in ihrer gewohnt kraftvollen und explosiven Weise. Dazu schnell, souverän und fehlerlos. Bei Sabine Schneider zeigte sich, dass das umfangreiche Starterfeld mit entsprechend vielen Runden und starken Gegnerinnen seinen Tribut vom Kata Vorrat der Erfurterin gefordert hatte. Und so musste sie mit Empi das Finale angehen. Auch wenn die Empi eine sehr schöne und wettkampffähige Kata ist, hält sie den Ver-

gleich mit einer gut dargebotenen Kushanku nicht stand. Was die Kampfrichter ähnlich sahen und der Kushanku der Kroatin den Vorzug gaben.

 

Kata Team weiblich

Im Kata Team Finale der Damen standen sich wie bei der German Open die Teams aus Österreich und Deutschland gegenüber. Die Österreicherinnen zeigten wieder Bassai Sho. Und vor eigenem Publikum auch einen Tick besser als 1 Woche zuvor in Hanau. Dabei ist Bassai Sho eine sehr schöne Kata, die leider viel zu selten auf Wettkämpfen gezeigt wird. Für eine Umsetzung der Techniken in ein anspruchsvolles Bunkai ist sie jedoch nicht wirklich gut geeignet. Und hier hat das Österreichische Team durchaus Kreativität gezeigt. Wesentlich umfangreicher muß die Arbeit des Deutschen Teams gewesen sein. Die Entwicklung einer eigenen Kata, die Wahl der Musik, die Entwicklung des dazu passenden Bunkai. Dies alles nimmt Stunden in Anspruch, die man nur schwer zählen kann. Aber ganz offensichtlich muß es auch Spaß machen. Denn speziell im Bunkai gingen die Erfurterinnen energisch und lebhaft ans Werk. Und das es da bei der, von einem gesprungenen Ushiro Geri, getroffenen Athletin auch mal etwas zwickt, darf angenommen werden. Aber dafür sind sie ja beim Karate und nicht beim Stricken. Und dem Deutschen Team ist dies wohl bewusst. Überaus kraftvoll, ernsthaft und mit hoher Schnelligkeit waren die Aktionen, gespickt mit hohen Techniken und harten Würfen.

 

Das Bunkai des Deutschen Teams

Die Österreicherinnen mit Bassai Sho

 

Kata Einzel männlich

Nachdem Maurino in der Vorrunde schon seit stärksten Kata, einschließlich Gankaku, benutzt hatte durfte man gespannt sein, was er zeigen würde. Jedenfalls begann Valdesi mit Gankaku, die er absolut sicher, fest, schnell und stark auf den Tatami legte. Wenn man überhaupt etwas kritisieren wollte, könnte man nur den letzten Manji Uke nennen, bei dem er über den Rücken dreht und dem es, aufgrund der Geschwindigkeit, etwas an Präzision fehlt. Die erste Bewegung nach der Verbeugung zeigte, dass Maurino noch etwas besonderes im Repertoir hatte. Die Musubi genannte Bewegung zu Beginn der Kata ist typisch für alle Kata des Goju- und Shito-Ryu. In diesem Fall mit der Kata Anan dem Shito-Ryu zugehörig und dem Ryuei Ryu entstammend. Und auch Maurino erreichte hier nicht die maximal  mögliche Dynamik und  Explosivität der Kata,  wenngleich er sie durchaus in beeindruckender Form

demonstrierte. Es kann angenommen werden, dass er auch wusste, das er sich mit dieser Anan gegen Valdesi’s Gankaku nicht würde durchsetzen könne.  Allerdings  zeigte er  hier,  dass  er  keine Pro-

bleme damit hat über den Tellerrand des Shotokan hinaus zu blicken. Da Anan, wie auch alle Kata des Goju-Ryu eine Kata aus dem Naha-te ist und Shotokan überwiegend dem Shuri-te entstammt, ist es für Athleten des Shotokan nicht einfach die Anan in der für das Naha-te typischen Form zu  zeigen.   Im  Bild   rechts  vollzieht

Maurino die Technik in Shuto Haltung. Traditionell wird hier jedoch die Teisho Form benutzt, die für die Anwendung der Technik auch erforderlich ist. Diese Details, sowie das gezeigte Kihon sprechen deutlich für eine "Shotokanisierung" der Kata. Dies wird dem Charakter der Kata jedoch nicht gerecht.

 

Kata Team männlich

Bei den Vorrundenkämpfen der Herren Teams hätte es durchaus eine Überraschung geben können. Das Iranische Team bestritt die erste Runde mit Suparimpei gegen ein nicht so starkes Team. Für den Kampf gegen die Kroaten blieb ihnen dann die Kururunfa, die auch keineswegs so stark und überzeugend präsentiert wurde, wie die vorrangegangene Suparimpei. Und wer weiß wie das Ergebnis gegen Kroatien gelautet hätte, hätten sie da ihre Suparimpei noch gehabt. Dies zeigt wieder einmal, wie wichtig es ist, zur rechten Zeit über die richtige Kata zu verfügen.
In Fachkreisen nicht unumstritten sind die Teamregeln der Golden League für das Finale. Diese fordern eine eigene Katakreation, die mit Musikuntermalung vorgetragen wird. Einige, traditionell eingestellte Teams, lehnen dies prinzipiell ab. Andere Teams, die mitunter gar nicht damit rechnen in ein Finale zu kommen, sind wenig motiviert hier etwas eigenes zu entwickeln. Ganz anders sind da die Erfolgsorientierten Italiener, die sich die Musik für ihre Vorführung dazu noch perfekt auf die Techniken abstimmen lassen.

 


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Das ihre Vorführung insgesamt hervorragend war und das Bunkai überzeugend, kreativ und erstklassig ist unbestritten, ob es aber noch den Idealen des Kata Wettkampfes und der Tradition des Karate entspricht darf überlegt und diskutiert werden. Konträr dazu das Team aus Kroatien. Sie zeigten die Kata Unsu sehr präzise und mit fast schon extremer Dynamik.  Das Bunkai dazu war hautnah an die Kata angelegt und gab eine logische Erklärung für jede einzelne Technik der Unsu. Ob und inwieweit die fehlende Musik und Eigenkreation des Vortrags die Kampfrichterentscheidung bestimmten weiß ich nicht, jedenfalls fiel das Urteil einstimmig zu Gunsten des Italienischen Teams.

Die Italiener mit spektakulären Aktionen

 Das dynamische Bunkai der Kroaten

 
 

Ergebnislisten

Kata weiblich Kata männlich

Platz

Name Land

1

Mirna Senjug Kroatien
2 Sabine Schneider Deutschland
3 Yasemin Güngör Österreich
3 Sara Battaglia Österreich

Platz

Name Land

1

Luca Valdesi Italien
2 Lucio Maurino Italien
3 Vincenzo Figuccio Italien
3 Luca Brancaleon Italien
   
Kata Team Kata Team

Platz

Name Land

1

German Karate Federation Deutschland
2 Austria Karate Federation Österreich
3 Fijikam Italien Italien
3 Swiss Karate Team Schweiz

Platz

Name Land

1

Fijikam Italien Italien
2 KC Croatia Kroatien
3 Austria Karate Federation Österreich
3 Iran Iran