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Deutscher Goju-Ryu Cup

 

Eberbach 2005

 

Ähnlich kunstvoll wie die Kata des Goju-Ryu ist die Landschaft rund um den Neckar von Heilbronn bis zum malerischen Michelstadt. Auf dem Weg dorthin findet man Eberbach und den dicksten Baum Deutschlands. Ganz nebenbei findet man auch eine Sporthalle, in der die dies- jährigen Meisterschaften des Karate der Stil- richtung Goju-Ryu stattfanden. Neben Shito-Ryu und Shotokan ist Goju-Ryu international sehr erfolgreich bei Kata Wettkämpfen und stellt unter anderem die amtierende Weltmeisterin Atsuko Wakai. Im Bereich der Kata Wettkämpfe waren somit einige Delikatessen zu erwarten. Und bei recht ansprechender Teilnehmerzahl, insgesamt 456, in allen Kategorien bis hin zur Altersklasse wurde den Zuschauern, in der sehr schönen und gut organisierten Hohenstaufen Sporthalle, einiges geboten.

 

Die Hohenstaufen Sporthalle

 

Kata Jugend weiblich

 

Nur einmal wurde es mit 2:1 etwas knapp für Franziska Kurz beim Kampf um den Poolsieg.

Auch ihre Gegnerin aus Berlin zeigte Suparimpei, allerdings technisch nicht ganz so ausgereift. Ebenso überzeugend schaffte ihre Schwester Karolin den Einzug ins Finale, so dass es zu einem reinen Geschwisterduell kam. Ein bisschen spritziger, ein bisschen präziser, jedenfalls könnten das die Gründe dafür gewesen sein, dass die Kampfrichter sich für Franziska entschieden.

 

links im Bild: Franziska Kurz

 Karolin Kurz

 

 

Kata Senioren weiblich

 

Nicht unumstritten war die Niederlage von Julia Kurz gegen Judith Niemann beim Kampf um den Poolsieg. Aber so standen schließlich Judith Niemann und Nancy Arning im Finale. Dabei bot Nancy Arning den deutlich besseren Vortrag und erreichte dementsprechend verdient den 1. Platz.

 
 
 
von links nach rechts: Judith Niemann, Nancy Arning, Julia Kurz, Jessica Korber
 

 

Kata Team Senioren weiblich

 

Außergewöhnlich, beeindruckend, spektakulär! Wie kann man in Worte fassen, was das Auge derart begeistert. Die Rede ist von Team Kata der Damen Leistungsklasse. Und das Wort Leistung kann man doppelt unterstreichen, wenn man gesehen hat was die, für Binswangen startenden, Geschwister Kurz aus Meimsheim da auf die Matte zauberten. Erstaunte, verblüffte Gesichter bei den Gegnern als der Name Suparimpei fiel. Suparimpei, die höchste Kata des Goju-Ryu. Mehr als 100 Techniken in knapp 3 Minuten. 3 Minuten in denen jede Bewegung synchron erfolgen muß, mit sehr schwierigen Tempowechsel. Suparimpei, die bis dahin, wegen des außer-gewöhnlich schwierig umzusetzenden Bunkai, von keinem Team im Finale gezeigt wurde. Julia, Karolin und Franziska Kurz zeigten sie.

Eine Premiere, und eine überaus gelungene dazu. Das Bunkai glich dabei einem realistischen Kampf mit echten Treffern, wobei auch schon mal ein Fuß absolut gewollt die Wange traf. Und laut wurde es, wenn die Matte nach spektakulären und sehr harten Würfen vibrierte.  Eine absolut professionelle Leistung die hier einen neuen Maßstab setzte und vom Publikum mit viel Beifall bedacht wurde. Der Landesverband Baden-Würtemberg kann mit Recht stolz sein, ein solches Team zu haben.

 

 

 

Kata Senioren männlich

 

Kiziltoprak Türk ist derzeit wohl der ausdruckstärkste Kataspezialist des Goju-Ryu. Mit hoher Präzision und Dynamik sind seine Kata und auch das Tempo stimmt. Gefahrlos erreichte er das Finale, was im benachbarten Pool ebenso überzeugend Andreas Ginger gelang. Beide zeigten im Finale Suparimpei. Beide setzten unterschiedliche Akzente in der Kata und nicht wenige sahen Andreas Ginger vorne. Die Kampfrichter entschieden sich für Kiziltoprak Türk, was man aber gelten lassen kann.

Beim Kata Team Senioren war nur ein Team am Start, so dass es hier zu keiner Finalbegegnung kommen konnte.

 
 
 

Kumite

 

Heiß und drückend und schon durch bloßes herumstehen schwitzend. Das waren am Nachmittag die Bedingungen in der Halle. Auf 6 Kampfflächen wurde nahezu pausenlos gekämpft, einschließlich der Finalbegegnungen die dabei nicht über Lautsprecher ausgerufen wurden. So war es, nicht nur für die Zuschauer, äußerst schwierig das Geschehen im Detail zu verfolgen.

Insgesamt waren die Kämpfe jedoch von zum Teil sehr gutem Niveau. Und trotz der Hitze äußerst lebendig. Viele hervorragende Fußtechniken, speziell Ura-Mawashi-Geri sorgten für spektakuläre Aktionen und Punkte. Aber auch einige sehr dynamische Wurftechniken sorgten für Begeisterung. Etwas Tribut forderte das Wetter allerdings schon von den Kämpfern und so musste mindestens zweimal die Matte von ungewollt verteiltem Frühstück gesäubert werden.

 
 

Kumite weiblich

 

Elke Maier mit Kizami tsuki

Kumite - 58 kg
Spannend machte es Marianna Grifo beim Kampf ums Poolfinale. Erst in den letzten 20 Sekunden legte Sie richtig los und siegte mit deutlichem Punktvorsprung. Im Finale machte dann aber die mehr als einen Kopf größere Elke Maier sehr geschickt von Ihrem Reichweitenvorteil Gebrauch und konnte mit schnellen Jodan tsukis gewinnen.

Kumite +58 kg

Hier kämpfte Monique Puscher vom TSV Binswangen sehr beherzt, aber auch überlegt mit guter Taktik und sehr guter Abwehr konnte sie sich gegen Alisa Schneider vom KG Odenwald durchsetzen.

 
 

Kumite männlich

 

Michael Meckl mit Mawashi Geri

Kumite - 78 kg

war mit 37 Teilnehmern die stärkste Kategorie, wodurch auf 4 Pools gekämpft wurde. Und letztendlich standen sich der Poolsieger A1 Cenaj Labinot und Michael Meckl von Pool B2 gegenüber. Und in einem sehr bewegten Kampf konnte sich Michael Meckl mit den seinen dynamischen und flexiblen Techniken durchsetzen.

Kumite +78 kg

Hier war Ernst Torben klar der beste Kämpfer des Tages. Mit seinem flexiblen Kampfstil und guten Beintechniken ließ er seinen Gegnern nur wenig Spielraum.  Und im Finale gegen Karsten Schlüter ließ er auch nur wenig Techniken des Gegners durchkommen, punktete aber selbst sehr flexibel mit tsuki und Geri-Waza.


 

Leider waren nicht immer alle Entscheidungen zweifelsfrei. In einigen Fällen stieß die Entscheidung der Kampfrichter auf ziemliches Unverständnis des Publikums. Angesichts der Tatsache, dass es sich dabei um fachkundiges Publikum handelt und insbesondere auch nicht nur um die jeweilige Fan-Ecke des benachteiligten Wettkämpfers muß man sich hier Fragen stellen. Wie kann es sein, dass ausgebildete Kampfrichter Entscheidungen treffen, die selbst bei der Tischbesatzung und Kampfrichterkollegen Kopfschütteln verursachen? Und dann auch noch Einstimmig? Sollten diverse Gerüchte stimmen, dass der Hauptkampfrichter in solchen Fällen den Kollegen versteckte Zeichen gibt wie z.B. ein kurzes, mehr oder weniger auffälliges Zucken einer Flagge haltenden Hand, kann man nicht mehr von Fehlentscheidungen sprechen. Jedenfalls nicht mehr von ungeplanten Fehlentscheidungen.

Beim Goju-Ryu Cup gab es mindestens 3 zweifelhafte Fälle. Erwähnenswert sei hier aber die sehr umstrittene Entscheidung bei der Deutschen Meisterschaft in Völklingen, wo es eine  Top Favoritin traf. Dabei ist es teilweise so offensichtlich, dass man sich nicht mehr gegen den Gedanken wehren kann, das Name und Dojo Zugehörigkeit höher bewertet werden als die sportliche Leistung. Was ehrliche Sportler und Zuschauer davon halten muß man hier nicht schreiben, es ist, glaube ich, vorstellbar. Besonders frustrierend ist jedoch, dass junge Sportler bei einem Sport der Werte wie Ehre, Fairneß, Gerechtigkeit ausdrücklich als Bestandteil des Sports (hier im Sinne des Karate Do) ansieht, lernen müssen dass es halt nicht immer Gerecht zugeht. Solange es keine unabhängige Kontrollinstanz für Kampfrichter gibt, wird sich dies aber wahrscheinlich nicht ändern lassen. Von diesen Zeilen werden  sich die betreffenden Kampfrichter kaum beeindrucken lassen, denn Sie wissen:

Wer den Ruf nicht scheut, kann auch mit einem schlechten leben.  (H.Haß 06.2005)

 
(c) Herbert Haß 2005