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Bohemia Cup 2005

Prag / Tscheschei

Nicht ganz einfach zu finden ist die Sazka Arena in Prag. Hinweisschilder gibt es wenig und so ist der Kontakt zu Passanten, die man nach dem Weg fragt, eine nette Begleiterscheinung auf dem Weg zum Austragungsort des Bohemia Cup. Die Arena selbst ist ein Eisstadion. Sehr modern, sehr groß und bestens abgesichert. Die Organisation kann hier nur als her- vorragend bezeichnet werden. Gleich am separaten Eingang für die Teilnehmer wurden diese mit Ansteck- karten für die Zugangsberechtigung ausgerüstet, mit Bild versteht sich. Dies professionell, freundliche Atmosphäre setzte sich auch im Innenbereich, wo die Wettkämpfe stattfanden  und die Wettkampfleitung agierte fort. Auf insgesamt 5 Tatamis wurden die Vor- kämpfe ausgetragen, außerdem stand ein separater Bereich der Halle,  ausgelegt mit Tatami Matten,  zum Aufwärmen der Athleten zur Verfügung.

 

Hart aber fair, so könnte man die Überschrift für die Kumite Begegnungen setzten. Und so führte nicht jeder deutliche Kontakt zu einer Verwarnung, sondern eher zu einem Ippon. Trotzdem wurde nur selten ein Arzt gebraucht und gröbere Verletzungen waren nicht zu verzeichnen. Sowohl die Tscheschei, als auch die Slovakei verfügen im Bereich Kata über ausgezeichnete Athleten und Trainer. Entsprechend hoch war daher auch die Qualität des Teilnehmerfeldes. Auffalend ist hier, dass keine der 3 großen Stilrichtungen (Shotokan, Shito-Ryu, Goju-Ryu) dominiert. Und da auch keine Shitei-Kata vorgeschrieben waren, konnte man eine  große Auwahl beeindruckender Kata schon ab der ersten Runde bewundern.
Die Favoriten waren hier Petra Nova (Europameisterin 2002) und Micha Hruby, beide jeweils mit Shito-Ryu Kata startend. Dabei zeigte Micha Hruby mit Matsumura Bassai auch eine Kata die man nicht ganz so oft zu sehen bekommt.

Mit knapp einer Stunde Verspätung begann um 18:00 Uhr die Eröffnungsfeier zum Finale. Zwei Sänger, eine Tanzgruppe und ein Aikido Team sorgten dafür, dass die unvermeidlichen Ehrungen etwas kurzweiliger ausfielen.

 

Kata Team männlich

Den Auftakt  zum Finale durften die  Kata Teams bestreiten.   Hier standen  sich  bei den

Herren zwei Teams aus Tscheschien gegenüber. Mit Gojushiho Sho gegen Sochin waren zwei Kata von sehr unterschiedlichem Charakter zu sehen. Und dies betraf auch das Bunkai. Hier überzeugte das Team mit der Gojushiho Sho durch dynamischere und spektakulärere Aktionen.

 

Kata Team weiblich

Familie Kurz mit Suparimpei

Aus deutscher Sicht  sehr erfreulich standen bei den  Damen  die  Geschwister Kurz  aus Meimsheim dem Team aus Trinec (Tscheschei) gegenüber. Hat man sie vor kurzem noch mit Unshu gesehen, so hieß, wie schon beim Goju-Ryu Cup in Eberbach, ihre Finalkata diesmal Suparimpei.   Stark und  ohne  Abstriche  synchron  vorgetragen  setzten  Sie  im

Bunkai noch eins drauf. Und Ihre Choreografie, die einem realistischen Kampf entspricht, in dem alle drei kämpfend agieren, wusste auch das Qualitätsgewohnte Tscheschische Publikum zu begeistern.

 
       Das Team aus Trinec mit
               der Kata Heiku
   

Kata Einzel männlich

Direkt nach Kata Team folgte Kata Einzel. Micha Hruby gegen Jakub Tesarek. Tesarek begann mit Gojushiho Sho  (Shotokan)  und  zeigte eine  fehlerlose,  sehr saubere Leistung.   Besonders die Stände

waren dabei von hoher Qualität und Festigkeit. Micha Hruby konterte mit Suparimpei. Diese äußerst Ausdruckstarke Kata wurde von ihm hervorragend vorgeführt. Sowohl technisch,  als auch kämpferisch, wobei jede Technik ihre spezielle Betonung fand. Ein sehr guter Vortrag von ausgesprochener Qualität und Reife, was auch die Zustimmung der Kampfrichter fand, die sich Hruby entschieden.

 

Micha Hruby

Jakub Tesarek          

 

Kata Einzel weiblich

 Das es schwer werden würde eine Petra Nova zu besiegen war schon aus den Vorkämpfen ersichtlich. Äßerlich unbeeindruckt davon eröffnete Lucie Cupakova mit der Kata Anan den Wettkampf.

Und dies mit einer sehr guten, technisch sehr sauberen Leistung. Petra Nova wählte ebenfalls Anan, was den direkten Vergleich ermöglichte, fügte zur technischen Qualität jedoch noch eine gute Portion mehr an Explosivität, Dynamik und Kampfgeist hinzu und ließ sich so den Sieg nicht nehmen.

Petra Nova

 Lucie Cupakova          

 
 

Nach diesen wirklichen Highlights, die auch ordentlich Zeit verschlangen, entschied die Wettkampfleitung die Kumite Finale der Gewichtsklassen zeitgleich auszutragen. Wobei es einem gewissen Berichterstatter ähnlich erging wie einem Barrakuda, der einem Schwarm Fische gegenübersteht. Er weiß nicht welchen er sich picken soll und kriegt am Ende gar keine. Und was soll ich jetzt schreiben, außer das sie gut und hart gekämpft haben. Wobei sämtliche Titel bei den Herren, mit Ausnahme der Allkategorie, nach Russland gingen und sämtliche Titel bei den Damen in der Tscheschei blieben. Dabei erreichte Jeannine Herrgesell vom Landeskader Sachsen Anhalt in der Klasse +60kg den 2. Platz.

 

Kumite Team

Spannend wurde es dann im Finale der Mannschaften.Wobei sich bei den Damen die beiden Tscheschischen Teams A und B gegenüberstanden.  Etwas unglücklich bestritt die erste Kämpferin des Tscheschischen Nationalteams B ihren ersten Kampf. Hauptursache dürfte wohl die Kontaktlinse gewesen sein, die mitten im Kampfgeschehen ihren Sitz am Auge verlassen hat. Am Ende hieß es dann Hikiwake. Im zweiten Kampf konnte ihre Kameradin mit einem satten Mawashi Geri einen 3:0 Rückstand ausgleichen und auch hier es am Ende Hikiwake. Erst im dritten Kampf gelang dann der Kämpferin von Team A der entscheidende Ippon.

 
 

Sehr dynamisch ging es beim Finale der Herren zu, wobei der ein oder andere harte Kontakt nicht ausblieb. Trotz sehr aktivem Einsatz des ersten Kämpfers des Teams aus Labem/Tscheschei ging der erste Kampf an das Team aus Dänemark. Im zweiten Kampf konnten die Dänen die Führung nach einer spektakulären Wurftechnik ausbauen. Fast schien es schon ein vorzeitiges Ende zu geben, als der Kämpfer aus Labem zum 2:1 aufholte. Im 4. Kampf war der dänische Kämpfer körperlich deutlich überlegen und setzte eine Wurftechnik, bei der sein Gegner hart auf den Rücken fiel, was ihm sichtlich die Luft raubte und in Folge auch etwas die Dynamik. So gewann Dänemark und man schritt zur Siegerehrung. Und da gab es wirklich sehr schöne Urkunden und vor allem noch schönere Pokale, die wirklich jede Vitrine schmücken.

Alles in allem war dieser Bohemia Cup ein Turnier von hervorragender Qualität, sowohl was die Teilnehmer betrifft, als auch die Organisation und die Rahmenbedingungen. Ein Lob auch an die Kampfrichter, die speziell in Kata eine sehr gute Leistung zeigten.